Hochzeitsfotos ohne Profi? Fotograf Marco Heßdörfer gibt Tipps fürs gute Gelingen

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© Marco Heßdörfer

Bilder sind das, was am Ende einer Hochzeit bleibt. Doch nicht jedes Brautpaar kann sich einen professionellen Hochzeitsfotografen leisten. Alternativ wird häufig ein Freund oder ein Familienmitglied mit der wichtigen Aufgabe betraut. Hochzeitsfotograf Marco Heßdörfer verrät, wie man Enttäuschungen vermeiden kann und gibt Tipps, wie auch Hobbyfotografen richtig gute Hochzeitsbilder machen können.

Planet Cards: Herr Heßdörfer, ein Brautpaar spielt mit dem Gedanken Hochzeitsfotos von einem Freund oder Familienmitglied machen zu lassen. Welchen Rat legen Sie dem Paar ans Herz?

Marco Heßdörfer: Man sollte sich als Brautpaar sehr gut überlegen, ob man auf einen Profi verzichten will, schließlich sind die Bilder das, was am Ende der Hochzeit bleibt. Wer jedoch absolut kein Budget für einen Fotografen hat, kann natürlich auch auf einen Freund oder ein Familienmitglied zurückgreifen. In diesem Fall ist es aber sehr wichtig, dass sich beide Seiten über Ihre Erwartungen im Klaren sind. Derjenige, der die Fotos macht, muss sich darauf einstellen am Tag der Hochzeit weniger Gast als Fotograf zu sein. Und das Brautpaar muss wissen, dass es von einem Laien nicht die gleichen Fotos erwarten kann wie von einem Profi. Das alles muss von vorne herein klar sein, sonst kann es auf beiden Seiten zu unangenehmen Enttäuschungen kommen.

PC: Wenn das geklärt ist und beide Seiten einverstanden sind, was passiert als nächstes?

MH: Dann sollte man sich zusammensetzen und gemeinsam überlegen, was am Tag der Hochzeit fotografiert werden soll. Welche Momente sollen auf jeden Fall festgehalten werden? Worauf kann verzichtet werden? Wie sieht es mit Porträts und Gruppenfotos aus? So hat der Fotograf einen groben Plan, an dem er sich entlanghangeln kann.

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© Marco Heßdörfer

PC: Wie kann sich der Fotograf am besten auf die Hochzeit vorbereiten?

MH: Ganz wichtig: viele Bilder angucken! Fotos von anderen Hochzeitsfotografen sind ein guter Anfang. Aber Inspirationen kann man auch auf einem Plattencover oder in einem Modemagazin entdecken. Je mehr Bilder man sich anschaut, desto besser wird das eigene Gespür dafür, was gut aussieht und welche Bildkompositionen funktionieren.

PC: Haben Sie noch weitere Tipps für die Vorbereitung?

MH: Übung macht den Meister, das gilt auch für Hochzeitsfotos. Fürs Üben muss man im Grunde nur dort hingehen, wo viele Leute zusammenkommen. Also einfach beim Picknick im Park oder der nächsten Familienfeier eine Kamera mitnehmen und drauf los fotografieren. Für die eher inszenierten Porträts macht es Sinn, wenn sich der Fotograf vorab mit dem Brautpaar trifft um ein paar Probefotos zu schießen.

PC: Fast genauso wichtig wie die Porträts vom Brautpaar sind die Gruppenbilder der Hochzeitsgesellschaft. Was gibt es hier zu beachten?

MH: Für die Gruppenfotos sollte sich das Brautpaar vorher überlegen, welche Bilder es haben möchte. Um den Überblick nicht zu verlieren, macht man eine Liste und legt fest, welche Gruppe wann fotografiert wird. Es bietet sich an, von der größtmöglichen Gruppe zur kleinsten hin zu fotografieren. So kann vermieden werden, dass Gäste unnötig warten müssen.

PC: Welcher Zeitpunkt eignet sich gut für die Gruppenbilder?

MH: Am besten macht man die Gruppenfotos, wenn alle gerade beisammen sind. Zum Beispiel direkt nach der Trauung, wenn die Gäste aus der Kirche kommen. Oder wenn die Hochzeitsgesellschaft bei der Location ankommt und es einen Sektempfang gibt.

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© Marco Heßdörfer

PC: Thema Licht – gibt es da ein paar Tricks für Hobbyfotografen?

MH: Was lichttechnisch immer funktioniert, ist einen Ort zu wählen der im Schatten liegt, aber auf einer Seite zum Licht geöffnet ist. Zum Beispiel unter einer Brücke oder an einem Scheunentor. Wenn das Brautpaar, dann ungefähr an der Schattenkante steht, ist es von einer Seite schön regelmäßig beleuchtet und nach hinten fällt das Licht ins Dunkel ab. Das sieht immer sehr gut aus.

PC: Nach welchen Motiven hält ein guter Fotograf bei einer Hochzeit Ausschau?

MH: In erster Linie ist ein Fotograf immer auf der Suche nach dem besonderen Bild. Das kann vieles sein: Fünf Herren im Anzug stehen nebeneinander und eine Frau im roten Kleid läuft vorbei; die Tante, die gerade aus vollem Herzen lacht; ein Mann, der keine Schuhe an hat, weil er gerade seine Füße im Wasser hatte; eine blaue Wand vor der eine Frau in einem gelben Kleid steht. Man ist immer auf der Suche nach etwas Interessantem. Wenn man was entdeckt, gleich auf den Auslöser drücken. Sonst ist der Moment vorbei.

PC: Obwohl zu später Stunde oft ausgelassen gefeiert wird, wirken die Fotos von der Party oft etwas eingefroren. Haben Sie einen Tipp um mehr Bewegung in ein Bild zu bringen?

MH: Für Partybilder stecke ich einen Blitz auf die Kamera und blitze die Leute direkt an. Zusätzlich erhöhe ich die Belichtungszeit und bewege die Kamera nach dem Auslösen hin und her. So bleiben die Leute scharf, aber das Umgebungslicht verschwindet ein bisschen und es entstehen schöne Lichtspuren. So kommt gleich viel mehr Bewegung ins Bild.

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© Marco Heßdörfer

PC: Welches Equipment braucht man, um eine Hochzeit zu fotografieren?

MH: Eine Minimalausrüstung könnte aus einer Spiegelreflexkamera, einer 50mm oder 35mm Festbrennweite und einem Blitz bestehen. Damit kann für relativ kleines Geld schon eine Hochzeit fotografieren. Ach – und was man auf keinen Fall vergessen sollte, sind ausreichend Speicherkarten und Akkus. Für eine Hochzeit sollte man schon 2000-3000 Fotos einplanen. Nicht, dass man beim Anschneiden der Hochzeitstorte plötzlich in die Verlegenheit kommt, keinen freien Speicherplatz mehr zu haben oder dass einem auf der Tanzfläche der Saft ausgeht.

PC: Vielen Dank für das Gespräch!

Sie wollen mehr über Marco Heßdörfer erfahren? Hier gibt es ein weiteres Interview mit dem Hochzeitsfotografen.

Alle Tipps noch mal im Überblick:

Damit Sie den Überblick nicht verlieren, haben wir alle Tipps von Marco Heßdörfer in einer praktischen Liste zum Download zusammengestellt:  Tipps für Hochzeitsfotos

Tipps für Hochzeitsfotos