Was bleibt, sind Bilder – Hochzeitsfotograf Marco Heßdörfer im Gespräch

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© Marco Heßdörfer

Monatelang bereitet man sich auf den großen Tag vor. Und was bleibt nach der Hochzeit? Die Erinnerung und schöne Fotos. Aus diesem Grund spielt ein Fotograf die wohl nachhaltigste Rolle bei einer Hochzeit, denn er konserviert den Zauber der Feier für die Ewigkeit. Im Interview gibt Hochzeitsfotograf Marco Heßdörfer Tipps für die Auswahl des richtigen Fotografen, spricht über seine Arbeit und verrät, was ihn bei Hochzeiten besonders berührt.

Eigentlich ist Marco Heßdörfer eher zufällig zur Hochzeitsfotografie gekommen. Während seines Kunstgeschichte- und Philosophie- Studiums belegte er an der Uni den Kurs praktisches Fotografieren. Dafür besorgte er sich eine analoge Spiegelreflexkamera aus den 70ern und begann die Welt in Bildern einzufangen. 2010, längst auf digitale Fotografie umgestiegen, fragte ihn sein Schwager ob er nicht Lust habe, Bilder von seiner Hochzeit zu machen. Das war sozusagen Marcos erster Auftrag und den hat er sehr ernst genommen. Und sehr gut gemacht. Er recherchierte nächtelang im Netz um sich inspirieren zu lassen und herauszufinden, wie andere Hochzeitsfotografen arbeiten. Die Bilder, die von seinem ersten Hochzeitsshooting entstanden, kamen bei Schwager und Schwägerin richtig gut an. Immer mehr Freunde kamen auf Marco zu und fragten ihn nach Hochzeitsfotos. Schließlich machte er aus seinem Hobby eine professionelle Karriere und mittlerweile ist Marco Heßdörfer schon lange im Voraus für die gesamte Hochzeitssaison ausgebucht.

Planet Cards: Herr Heßdörfer, Sie arbeiten seit mehreren Jahren als Hochzeitsfotograf. Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit besonders gut?

Marco Heßdörfer: Mir gefällt gut, dass die Arbeit so vielseitig ist. Mit den klassischen Porträts und den Gruppenbildern macht man eher inszenierte Fotos. Andererseits begleitet man das Brautpaar über den gesamten Tag, schaut was passiert und versucht aus jeder Situation die besten Fotos herauszuholen. Im Idealfall steht am Ende eine Art Reportage,  eine Geschichte, die durch den gesamten Tag führt.

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© Marco Heßdörfer

PC: In den meisten Fällen ist die Stimmung auf einer Hochzeit ziemlich gut. Wirkt sich das auf Ihre Arbeit aus?

MH: Ja klar! Die Leute sind alle gut drauf und machen sich schick. Die Locations sind schön, die Dekoration steht. Es ist alles da. Ich muss es nur noch ins rechte Licht rücken und fotografieren. Das ist sehr angenehm für mich. Andererseits kann die Arbeit auch ganz schön anstrengend werden. Oft arbeite ich 15-16  Stunden am Stück. Die gute Stimmung auf einer Hochzeit hält mich da schon bei Laune und gibt mir die Kraft, so lange durchzuhalten.

PC: Viele Leute werden unsicher, wenn sie merken, dass ein Fotograf in der Nähe ist. Wie wichtig ist das Thema Zurückhaltung für einen Hochzeitsfotografen?

MH: Einerseits versucht man möglichst unauffällig zu sein, damit sich die Gäste nicht beobachtet fühlen. Andererseits muss man sich schon ein bisschen in die Hochzeitsgesellschaft integrieren, damit man später Fotos machen kann, die man sonst vielleicht nicht machen könnte. Also es ist beides. Auf einer Hochzeit gibt es natürlich auch sehr viele intime Situationen und die verlangen nun mal Nähe, auch was die Kamera angeht.

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© Marco Heßdörfer

PC: Oft wissen Brautpaare nicht, wie sie einen passenden Hochzeitsfotografen finden. Können Sie ein paar Tipps zur Auswahl geben?

MH: Zwei Kriterien sind hier ganz ausschlaggebend: Sympathie und ansprechende Fotos. Wenn man bei der Online-Recherche auf einen Fotografen stößt, dessen Stil und Preis zu den eigenen Vorstellungen passen, rate ich unbedingt zu einem persönlichen Treffen. Gerade für eine Reportage die über den ganzen Tag geht, sollte man niemanden buchen, den man vorher nicht kennengelernt hat. Zu einem Treffen bringt der Fotograf im Idealfall ein breites Spektrum an Bildern mit. Ich habe beispielsweise immer Fotobücher von zwei verschiedenen Hochzeiten mit. So lernt das Brautpaar meine Arbeit gut kennen und kann einschätzen, ob ich der Richtige bin oder nicht. Bei einem persönlichen Gespräch merkt man auch schnell, ob man sich sympathisch ist. Wenn das nicht der Fall ist und man sich nicht vorstellen kann, den ganzen Tag mit dem Fotografen zu verbringen, sollte man es lieber lassen und weitersuchen.

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© Marco Heßdörfer

PC: Jeder Hochzeitsfotograf arbeitet etwas anders. Manche planen bis ins kleinste Detail und nehmen viel Equipment mit, andere agieren eher aus der Situation heraus. Wie machen Sie’s?

MH: Ich bin ein Freund davon, so wenig wie möglich mitzunehmen. So bin ich flexibel und kann spontan sein. Meine Standardausrüstung besteht aus 2 Kamera-Bodies (falls einer kaputt geht) und vier Objektiven. Eigentlich brauche ich sogar nur zwei Objektive: 24mm und 58mm. Für Abends habe ich noch einen kleinen Aufsteckblitz dabei. Ansonsten fotografiere ich alles mit natürlichem Licht. Beim Fotografieren greife ich selten bis gar nicht ins Geschehen ein. Anweisungen wie „komm, stell dich mal dort hin“, oder – „dreh mal deinen Kopf zur anderen Seite“  gibt es bei mir kaum. Höchstens bei den Porträts des Brautpaars und bei den Gruppenbildern. Die sind logistisch etwas aufwendiger und müssen gut geplant sein.

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© Marco Heßdörfer

PC: Zum Abschluss noch was Persönliches. Was berührt Sie bei Hochzeiten am meisten?

MH: Wenn das Brautpaar die Brautsprüche selbst ausformuliert und sich bei der Trauung gegenseitig vorträgt, das ist immer etwas sehr Besonderes. Ich habe höchsten Respekt davor, wenn Braut und Bräutigam vor der gesammelten Hochzeitsgesellschaft ihre Gefühle füreinander ausdrücken. Wenn da zwei Menschen stehen, die sich ihr Herz ausschütten und vielleicht sogar anfangen zu weinen, das ist natürlich hochemotional und sehr beeindruckend. Da kommen mir manchmal sogar selbst die Tränen. Ansonsten freue ich mich natürlich auch immer, wenn ich einen besonders schönen Moment mit der Kamera erwische. Zum Beispiel, wenn sich das Brautpaar ganz verliebte Blicke zuwirft oder man ein richtig herzhaftes Lachen von einem Gast einfängt. Das sind dann die Fotografenfreuden!

PC: Vielen Dank für das Gespräch.